Orient-Express - Ein Rennbericht von Tobias Zunker zum Istanbul GP 2010
Orient-Express
Auch beim 7.Lauf der F1RL-Saison 2010 in Istanbul zeigte sich, dass sich die besten drei derzeit nur selbst schlagen können, was zwei von Ihnen auch prompt taten. Christian Brosch gewinnt so dominant, wie die Konkurrenz zuvor in Monaco, während Lars Zunker sein erstes Podium feiert.
Die Überraschung des Wochenendes kündigte sich schon im Qualifying an. Zwar war die Aussicht auf zwei weiß-rote Autos in der ersten Startreihe nichts unerwartetes, dass aber einer der beiden kein Allstar-Racing, sondern ein Toyota HSZ war, nämlich der von Mario Söllner, umso mehr. In der Zweiten Gruppe des Top15 Qualifying stampfte Söllner eine starke 1.28.536 in die 5,252 Kilometer des Autodrom von Istanbul; eine Zeit, die nur noch von Christian Brosch unterboten werden sollte. Auf den Plätzen dahinter sortierten sich Broschs Teamkollege Lars Otto und Rainer Heynke ein, der wiederum erstmals in dieser Saison seinen Teamkollegen Benjamin Koehler hinter sich ließ, der sich auf 5 qualifizierte und sich eine Startreihe mit dem zweiten Toyota HSZ von Lars Zunker teilte.
So gingen sie also in ihre Startpositionen und es passierte – nichts! Nach der Einführungsrunde warteten die Piloten ungeduldig auf das Ampelsignal zum Rennstart, doch es blieb zur Verwunderung aller aus. Markus Denk hatte bei seinem Renndebut in der F1RL Torsten Tress in der Aufwärmrunde abgeräumt, so dass der erste Startversuch abgebrochen werden musste.
Beim zweiten, glatten Versuch, den Start zu absolvieren, blieb das wegen der nicht einsehbaren ersten Kurven gefürchtete und erwartete Chaos aus. Verlierer gab es trotzdem ausreichend: Mario Söllner verlor seinen zweiten Platz an Lars Otto und Benjamin Koehler und musste sich kurzzeitig auch hinter Manuel Klamt anstellen, was er allerdings eingangs Turn 12 wieder korrigierte und so die erste Runde auf Platz 4 beendete. Schlimmer traf es hingegen Rainer Heynke, der sich auf Platz zehn wiederfand, nachdem ein Leg ihm den Start vermasselte.
Ende der zweiten Runde gewann auch der zweite Toyota sein Duell gegen Manuel Klamt im Maraña, was dieser mit wütenden Angriffen, wieder auf der Zufahrt zu Turn 12 quittierte und ihm letztlich den Frontflügel kostete.
In den ersten Runden sortierte sich das Feld. Christian Brosch konnte sich von seinen beiden Verfolgen absetzen, die sich leidenschaftlich bekriegten. Dahinter entstand recht bald die zu erwartende Lücke, auf die ein herrliches Duell um Platz vier zwischen Söllner und Müntz folgte. Dahinter mit einem Respektsabstand zwischen zwei und vier Sekunden: Lars Zunker. Noch ahnte da keiner, dass dies sein Tag werden würde.
Als erster der Spitzengruppe kam er nämlich schon in Runde 16 an die Box um sich frische Reifen zu holen während Müntz und Söllner zeitgleich in Runde 19 hineinkamen. Diese drei Runden auf frischen Reifen reichten aus, um sich vor die beiden Kampfhähne zu setzen und dazwischen noch Robert Schweda zu positionieren, der nur einmal Reifen wechseln sollte und den wütenden Attacken der beiden heftig widerstand. Reihenfolge also nach 25 Runden: Brosch vor Otto und Koehler, auf vier folgte Lars Zunker, dahinter Söllner und Müntz. Die Positionen schienen bezogen. Bis zur 37 Runde. Da krachte nach der legendären vierfach links im Anbremspunkt der Schikane Lars Otto in den Mercedes-Evolution von Benny Koehler. Beide verloren ihren Flügel und mussten so einen Boxenstop einlegen. Otto, der die Schuld an dem Unfall auf seine Kappe nahm, bestrafte sich gleich selbst und belegte sich mit einer Durchfahrtstrafe, woraufhin er eine weitere Runde ohne Frontflügel einlegen musste. Mehr als Platz sechs war für ihn nicht mehr zu erreichen. Nicht ganz so schlimm erwischte es dagegen das „Opfer“. Zwar fiel auch Koehler auf Platz vier zurück, er konnte sich jedoch zumindest den Platz von seinem Teamkollegen Rainer Heynke zurückerobern, so dass er dritter wurde. Kurzzeitig sah es sogar so aus, als starte Koehler noch eine Attacke auf den zweiten Platz, diese brach er aber kurz vor Schluss ab um den dritten Rang zu festigen.
Somit ging Platz zwei, wie schon in der Qualifikation an Toyota HSZ. Lars Zunker gelang es in seinem siebten Rennen erstmals aufs Podium zu fahren. Mario Söllner komplettierte mit Platz fünf das Traumresultat des Teams, dessen Hoffnung zuletzt stirbt. So gab es für den Teamchef Oliver Henne 28 Punkte zum 40.Geburtstag am nächsten Tag. Auch Rainer Heynke hatte Grund zu feiern. Er erreichte mit Rang vier sein bestes Rennergebnis in der F1RL.
Ein langweiliges Rennen dürfte vorne Brosch erlebt haben. Sein Sieg geriet nie in Gefahr. Ihm gelang damit die Revanche für das Rennen in Monaco, in dem Koehler der Konkurrenz mehr als 40 Sekunden abnahm.
In der Meisterschaft kristallisiert sich nunmehr ein Zweikampf heraus zwischen Sieger Brosch und Benny Koehler. Die beiden trennen lediglich 20 Zähler (Brosch 138, Koehler 118), der Drittplatzierte Holger Hirschberg (75) setzt gegenwärtig aus. Lars Otto kommt auf Platz vier auf nunmehr 63 Zähler. Fünfter ist nach wie vor Michael Nord. Als „best of the Rest“ hat sich Mario Söllner etabliert. Er kommt nunmehr auf 33 Zähler und liegt damit auf Platz sechs.